Fugitive Motel
Live aus den Pandemonium Söhlde

Mai
13

Yeah… Und jetzt zu einem sinnlose Dialog über Priemeln…

„Stell dir vor, du hättest ne Priemel.“, sagte Torge und seine Augen spülten sich durch die Waschstriemen. Er sprach als ginge es um eine Verschwörung, von der außer uns niemand etwas erfahren durfte.
„Ja, okay.“, sagte ich gelangweilt und blätterte eine Seite weiter in dem Drecksmagazin, das ich schon zum zweiten Mal durchkeuchte.
„Nein, mach richtig mit dem Vorstellen. Nicht nur so oberflächlich. Stell es dir vor, als wäre es tatsächlich so, dass du ne Priemel hättest. Stell dir vor, wie du durch eine dieser abscheulichen, bestialischen Sonderpostenbuden läufst, in die man immer geht, wenn man absurden Mist braucht für den es kein Fachgeschäft gibt und wo man nicht weiß, wo man den sonst herbekommen soll. Nudelhölzer oder so. Und da steht in der Nähe der Kasse diese Priemel neben ganz vielen andern Priemeln in so nem Karton, in dem man früher bei Aldi immer seine Einkäufe laden und nach hause transportieren konnte. Es gab ja da früher in den Supermärkten so ne Ecke, wo diese ganzen Kartons unterschiedlicher Größe rumlagen, wild durcheinander. Hattest du auch immer das Bedürfnis da reinzuspringen und dich durchzugraben, wenn du mit deiner Mutter einkaufen warst?“
„Ja, natürlich hatte ich das. Dafür ist man ja Kind gewesen.“
„Ja, mit den Kartonhügeln ging meine Kindheit. Warum gibt es die nicht mehr heute, Wippi?“
„Vielleicht ist mal ein Kind drin erstickt oder so. Kinder ersticken ja ständig. “
„Ich bin als Kind nie erstickt.“
„Ich auch nicht. Es gab immer zwei Sorten von Kindern bei uns auf der Schule. Diejenigen, die erstickt sind und die, die nicht erstickt sind. Die, die nicht erstrickt sind, waren immer beliebter.“
„Manche Kinder ersticken gerne, andere Kinder bevorzugen es, nicht zu ersticken. So steht das immer auf Fragebögen beim Psychologen.“
„Ja, um da keine Wertung abzugeben. Aber was ist jetzt mit der Scheißpriemel?“
„ja, also da steht diese eine Priemel. Du hast all die Gerüche der Sonderpostenbude inhaliert und jetzt siehst du diese Priemel, während du an der Kasse stehst und darauf wartest, dein Nudelholz zu bezahlen. Ein paar Scheißkinder haben Blätter abgeknippst, als ihre Mütter sie mal kurz aus den Augen gelassen haben.“
„Danach sind sie erstickt.“
„Jetzt halt schon die Klappe. Du siehst also die Priemel. Ein trauriges, geknichtes, gestauchtes Pflänzchen, das in der klimatisierten Luft verreckt. Du kaufst es, weil runtergesetzt. Du kennst das ja: der Preis noch mal übergepappt, weil wir sind in der Sonderpostenbude und da kriegt man alles billiger.“
„Manchmal aber auch nicht wirklich viel. Airwaves kosten bloß 10 Cent weniger als in normalem Supermarkt. Und selbst an der Tanke sind die nicht viel teurer“
„Ja, okay. Jedenfalls kaufst du die Priemel. Kannst du dir das vorstellen?“
„Schwer. Ich würde das nicht tun. Ich wüsste nicht, was ich mit ner Scheiß-Topfpflanze sollte.“
„Gießen, betrachten, den Raum beleben, in dem du arbeitest, schläfst oder deine Lustsklavin hältst.“
„Da würde ich aber eher ein Gummihuhn aufhängen oder ein indianisches Windspiel, um die bösen Wintergeister auszutreiben und fernzuhalten.“
„Dann nehmen wir eben an, dass du die Priemel geschenkt bekommen hast. Es ist auch nicht wichtig, wie du sie bekommen hast. Ob selbstgekauft oder geschenkt, das spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass sie dir gehört.“
„Okay, ich hab sie geschenkt bekommen.“
„Ja, stell dir vor, du bekommst sie geschenkt von einer anonymen Verehrerin.“
„Okay.“
„Das ist zwar noch unrealistischer, als wenn du sie selbst kaufen würdest…“
„Maul.“
„Gut, und diese Priemel steht jetzt in deinem Zimmer auf der Fensterbank. Das Windspiel baumelt drüber und das Metall schlägt sanft aneinander. Du hörst davon aber nix, weil du Bad Religion auf voller Lautstärke anhast. Und schwuchtelig den Kopf durch die Luft wirfst.“
Seit Torge mich dabei mal beobachtet hatte, zog er mich ständig mit dieser Eigenart auf, die ich mir in seiner Gegenwart daraufhin tatsächlich abgewöhnt hatte.
„Ja, da steht die Priemel. Ich kann es mir vorstellen. Ich seh sie vor mir, wie sie da auf der Fensterbank in dardaistischer Lichtspiegelung würgt.“
„Gut, weil ich fühl mich nämlich gerade wie ne Priemel.“
„Woher weißt du wie sie ne Priemel fühlt?“
„Weil ich mir im Gegensatz zu dir Dinge vorstellen kann. Ich kann mir vorstellen, wie sich ne Priemel fühlen muss, die ständig von dir angeglotzt wird.“
„Was?“
„Hör auf mich anzuglotzen.“
„Worauf willst du eigentlich hinaus, Torge. Muss denn bei allem dieser ewige Vorlauf sein?“
„Ja, Man. Das hat was mit Glaubwürdigkeit zu tun.“
„Schön… Du fühlst dich also wie eine Priemel.“
„Endlich hast du’s verstanden. Dann können wir ja jetzt endlich den Staub von unseren Schulterblättern klopfen.“
„yeah.“

Mär
24

Kreisky, die Dritte…

Und sonst hab ich nichts zu sagen?

Richtig!

Jan
01

Frohes Neues Herrschaften und Damenschaften. Das hier ist die Neujahrsansprache des Ministerpräsidenten des glohrreichen Bierreiches. Ihr wollt es doch auch

Neus Jahr, neue zündende Geschäftsidee… Jetzt und nur hier. Der Wippmaster tourt nur für euch die Latrinen der 41. Republik (das ist mir im Traum erschienen) und sammelt die besten Klosprüche des Milleniums… Denn nur so lässt sich die Welt noch reformieren. Das ist mir nicht im Traum erschienen. Das weiß ich einfach so. Los geht’s:

An diesem dunklen Ort
an dem kein Vogel singt
lässt der Mensch etwas fallen
das ganz erbärmlich stinkt

Groß natürlich. Gefunden in einem Stahlwerk in Peine. Ja, wirlich. Was ich da zu schaffen hatte? Ganze Menge, aber ist eine andere noch ungeschriebene Geschichte. Wenden wir uns lieber der nächsten Thematique (bin dieser ganz wunderbaren Schreibweise noch immer nicht überdrüssig) zu: Bierdokumentationen mit gelungenen Titeln!

Eine solche sah ich nähmlich unlängst und sie hieß – festhalten, anschnallen – “Expeditionen ins Bierreich”. Wenn das mal nicht toll ist. Die Doku selber blieb hinter diesem Anspruch aber zurück. Bieruni und Braunonnen. Nichts, was man noch nicht gesehen hat. Hier könnt ihr es euch anschauen.

Und niemals nie sagen und vor allem niemals nie vergessen: It’s gonna be another shitty year. Da hilft kein Make-Up, da hilft nur der Besuch der Bier-Uni.

Dez
26

Nur absolute Lieblingslieder im Moment. Und zum ersten Mal Muff Putter an dieser Stelle… Überfällig. Placebo Domingo von “Heute wird gewonnen, bitte”, was ja ein wirklich großartiger Titel für ein Album ist. Auch ich schlage mich gerade mit der Suche nach dem einen wirklich großartigen Titel, der finalen Überschrift herum… Aus tausend Bewerbungen ist der Kandidatenkreis inzwischen auf diese 12 Bewerber zusammengeschrumpft:

 

In der Christvesper kam mit eine wirklich gute Idee für ein Musikvideo.

Mit einem von zu Hause mitgebrachten Kleiderbügel knackte ich den Safe der europäischen Zentralbank, nahm aber kein Geld, denn es gibt wichtigere Dinge im Leben.

Als ich den Jackpot im Lotto gewann, sagte ich, dass ich noch nie etwas gewonnen habe, obwohl das gar nicht stimmte.

Ich war dabei, als im Guggenheim eine Kunstkritikerin von einem drei Meter großen Bleistift erschlagen wurde

Ich machte meiner Freundin bei Kochlöffel einen Heiratsantrag und wurde bitterlich enttäuscht

Nikotin zerstörte meine Lungen aber rettete meine platonischen Beziehungen zu lauter coolen Leuten

Wegen der Gruppendynamik kaufte ich über Jahre Dinge, die ich gar nicht wirklich brauchte

Den Abend, an dem ich gleich zwei neue Worte lernte, werde ich wohl nie vergessen

Seit die Regierung mein Taschengeld veruntreut hatte, begegne ich Politikern im Allgemeinen mit einer gesunden Portion Skepsis

Wenn die physikalischen Gesetzte plötzlich keinen Bestand mehr hätten, wüsste ich nicht, wie ich zur Arbeit kommen sollte.

Seitdem alle meine Freunde islamistische Terroristen sind, weiß ich Samstag Abends einfach nichts mehr mit mir anzufangen

Dez
25

Alles kommt wieder hoch. Ich werde nie loslassen können…

Dez
04

Exklusiv: Das fröhliche Sackgebläse vorgetragen von zum Leben erwachten Schaufensterschlampen…

Ja, das hier ist ein Eintrag. Ihr habt euch nicht verguckt. Steckt die Brillenputztücher ruhig wieder zurück ins Brillenputztuchetui. Das ist die Wahrheit. Und das ist der beste Werbesapruch seit Sonnenaufgang. Ich bin mir so sicher, wie man sich nur sein kann, wenn man der unsicherste und ahnungsloseste arme Tropf ist, der sich jemals von der kargen Höhlendecke löste. Inzwischen hat sich ein unterirdischer See gebildet und ich wäre beinahe ertrunken.

Ihr merkt es, ihr spürt es mit euren insektoiden Tentakeln: Krise in den heiligen Hallen, umgestoßene Tische, zersplitterte Kronleuchter, ausgelaufener Spiritus, Sirenen in der Nacht, umgemähre Mülleimer, ausgekotzter Mageinhalt und Tod, Tod, Tod… Die Leute tragen Mundschutz und schleppen Särge aus den Nachbarhäusern. Ich habe tausend Knüppel ziwschen den Beinen. Ich bin Medusa, unten rum… Macht bitte die Tür zu, bevor ihr geht, aber vorher noch Kreisky gucken. Ich sage es gerne, nein schreie es sogar in die verstimme Welt hinaus: Kreisky sind genial. Genial, I tell you…

…Later

Okt
28
Okt
10

Gosh, weiß gar nicht mehr, wie ich loslegen soll… Wenn man erst mal ein paar Monate keinen Beitrag angestimmt hat, wirkt jeder Beginn auf seine Art albern, ungefähr so, als ob man eine flüchtig bekannte Person nach Jahren im Untergrund oder über den Wolken mal wieder zufällig an der Wursttheke trifft und nicht mal genau weiß, ob sie einen noch erkennt. Man möchte eigentlich schon Hallo sagen, aber weiß nicht mehr so recht, wie man es anfangen soll und genau so geht’s mir hier mit diesem Beitrag. Zumindest hab ich aber mal wieder die Kraft gefunden, ein paar belanglose Wörter in die Wirren des Netzes zu stampfen. Leben werden sie nicht retten und nicht mal eure verdammten Ärsche. Lest sie oder schmäht sie, im Grunde hängt dieser Blog eh grade in den Seilen. Größere Projekte verlangen die Bündelung meiner Energien. Libido und Destrudo, beides hat seinen Platz im Masterplan und im Moment ergänzen sie sich ganz hervorragend. Das führt zu Gemütsaufklärung und neuer Entschlossenheit. Es geht voran und die Situation wird mit freudiger Nonchalance angenommen und ausgemalt in den blödsinnigsten Farben. Und sofort stopft mir Fortuna die Scheine in die Shorts. Alles hat sich ins Gegenteil verkehrt für einen furiosen Tag lang. Von dieser sehr wohl begründeten Euphorie und Daseinstrunkenheit betäubt, beschloss ich die Bruchbude zu entwurmen. Überall war wertloses, bekritzeltes, längst überflüssiges, halb kompostiertes Papier angestapelt und aus jeder Ecke quollen Ansichtskarten und Prospekte, nicht mehr wert als eine verkümmerte Erinnerunng, einen trostloses Kuss aus der Vergangenheit. Für wahr, ich musste handeln, ehe sich der Tatendrang wider in seine tiefe Höhle verkroch für seinen Winterschlaf. Ich machte mich an die Arbeit und schleppte Kisten mit Belanglosigkeit, teils seit Jahren nicht mehr berührt, zur Tür hinaus und schließlich fand ich einen Umschlag. Ich hatte schon einige andere gefunden. Meistens verbargen sich Glückwunschkarten darin. Weihnachten, Geburtstag, Happy, Happy, Party, Party. Eine war ganz schwarz. Über die freute ich mich am meisten. Meine Mutter hatte sich immer gegen die Entsorgung ausgesprochen. Immerhin wäre ein derart herzloses und rückgradloses Verhalten respektlos gegenüber den herzlich gratulierenden Verwandten, die sich die Arbeit gemacht hatten willkürliche Karten aus dem Spender zu ziehen und mit einem Werbekuli einen oder zwei Standardsätze hinein zuschreiben. Sie selbst hob alle Karten in einer Box auf. Beim bloßen Gedanken daran stellen sich mir sämtliche Härchen an den Armen auf und ich stoße diesen unseglcihen Gedanken weit von mir und berichte stattdessen unter dem Jubel meiner Jünger von dem Fund, den ich in diesem einen Umschlag neben der obligatorischen Karte machte. Einhundtert Euro. Für nen dümmlichen Schüler, der seine aussichtsreiche Karriere als Vermögensberater beendet hat und keine Prospekte mehr kriegt, ist das verdammt viel und es wird gleich in Dienstleistung umgemünzt. Stuchrad-Barre ist in Town am Freitag. Da kann man hingehen und danach muss mit einem besonderen Menschen die Nacht erhellt werden mit brennenden Hahnenschwänzen. Und ja, selbst ich könnte mal wieder brennen. Der Frost könnte abfallen und ich könnte mich erwärmen an diesem Mädchen… Ja, wirklich, was für ein Kitsch und was für ein brillanter Schmerz. Shit, so gut hat man es lange nicht mehr mit mir gemeint…

Und weil das alles so super ist grade, noch eines dieser ganz besonderen Lieder:

Flaming Lips- Yoshimi battles the pink Robots Part 1

Aug
22

Das Blog stirbt in Schönheit. Die Todesgeier kreiseln schon zwischen den Regenwölkchen, die den Himmel einnebeln. Es ist Antriebt für die Tränendrüse, aber ich hab’s im Moment nicht drauf mir gezielten oder zumindest blödsinnigen Kurzvorträgen. Nichts zu holen hier grade… Kommt wieder, wenn ich inspiriert bin… Und kauft euch Platten von den Fiery Furnaces. Die haben nämlich mehr drauf als ich. Vor allem der Song “Bitter Tea” ist umwerfen. Selten so was grandioses gehört…

Durchhalten und nicht vergeßen, die Tür zu schließen, wenn ihr geht…

Jul
31

Und ich bin diesem Ruf anlässlich eines grundlosen Anlasses gefolgt… Ein paar Impressionen von ganz vielen mehr… aber das pack ich lieber nicht alles in einen Text… Weiß ja was für’n lesefaules Pack ihr seit (no offense)

Es sind immer die wirklich großen Momente eines Trips, wenn man abgekämpft und druchgescheuert mit letzter Kraft den Schlüssel im Schloß der Hotelzimmertür herumdreht, die Tür aufruckelt und einen vollbärtigen Mann auf dem Boden zwischen Discoschick und Comictick hocken sieht, der mit einem Fön das versüffte Schlafgemach trockenblässt. Da weiß man dann, dass auch die größte Metropole nur ein Dorf ist und der Wahnsinn über einen Universalschlüssel verfügt und gar nicht daran denkt an die Türe zu klopfen. Er platzt herein, setzt sich einem auf den Schuß, durschwuschelt einem die nassen Haare und steht erst nach Strunden wieder von wundgesessenen Oberschenkeln auf.
Das ist also London. Der Blues der Metropole,  Hauptstadt des UK, Brutstätte der Inselaffen und von großen Trends, Tradition und Kalkulation. All das und der Mief mickriger Hotels, in denen schauriges Marmeladentoast zum Frühstück aufgetischt wird. Es hatte mich wieder, Baby – ich war wieder da, mitten drin in der Suppe, das Wasser bis zum Hals und grade mal wieder flüssig. Die Suppe, sie kam vom Himmel und stürzte alles in ein blubberndes Chaos. Überschwemmte U-Bahnstationen und davonschwimmende Stadtpläne. Die Frisur sitzt schon längst nicht mehr und die nächste Müllbotregate im ehrwürdeigen Hyde Park muss abgesagt wegen. Mehr Regen in ein paar Stunden als sonst in zwei Monaten. Mehr Leben in mir als in den letzten zwei Jahren.
London steht da allerdings altehrwürdig und ein bisschen arrogant drüber. Einer Weltstadt kann kein Terrorist und kein erzürnter Gott was. Da kann ein wirklich, wirklich angepisster Zeus noch so viele Blitze schmeißen. London trägt die schnoddernde Nase weit über den Pfützen, zeigt ihnen die kalte Schulter und steigt  auf die Central Line um. Der einzige Gott, an den es dieser Tage glaubt kommt sowieso aus Hogwarts. Harry Potter Nummer Sieben erscheint dieser Tage und verkleidete Fans säumten die Gassen in schwarzer Zauberkluft und schon einen Tag später hatten ihn alle in der Hand in den Bussen und Bahnen, alle Altersklassen und Geschlechter unisono an den selben Fetzen Literatur geklammert. “Macht doch.”, möchte man ihnen zurufen, lässt das unwirsche Gepöbel aber, denn ein schlechter Gast mit dreckigen Schuhen und rüden Worten möchte man ja nicht sein, wo alle hier so nette Gastgeber sind. Da heißt es mit dem Strom schiwmmen und gute Miene machen zu diesem Spiel, was man eigentlich so gar nicht beherrscht . Bitte, Danke, Tschuldigung, Gern Geschehen, Schönen Tag noch, Kumpel und Lächeln, Lächeln, Lächeln, denn du bist im Fernsehen.
Ja, Fernsehen in England, da haben wir das nächste Thema durch das wir im Schweinsgalopp hoppeln auf diesem Kulturendurchmarsch in Druckbuchstaben durch die einzig wahre Monarchie.
Als kritischer Kulturbeschauer und Kenner der heimischen Stußkanäle könnte man ja leicht zu der Erkenntniss gelangen, dass das Niveau, was einen dank Dolby Sorround Sound von allen Seiten beschallt nicht gerade das Höchste sein kann und man könnte sogar zu dem Entschluss kommen verärgert die Dönerchipstüte zur Seite zu stellen, den Fernseher auszuschalten (und zwar  nicht nur auf Stand-By) und mit grimmiger Miene einen langen Waldspaziergang zu machen. Daran ist nichts auszusetzen, aber sollte ich in meiner Funktion als General Großkotz doch so frei sein anzumerken, dass es anderswo gar noch absurder zur Sache geht. Im britischen Fernsehen ging es neulich beispielsweise um einen ganz furchtbaren Kerl, der sein Haus in mühsamer Unachtsamkeit in eine Müllhalde von beachtlichter Größe transformiert hatte, die nun von Fliegen und sonstigem Ungeziefer als Terroristenausbildungscamp und Besamungsstation benutz wurde. Aus nachvollziehbarem Grund wurde der gute Mann daher von Frau und Kindern verlassen. Zurück blieben nur die Fliegen, die ihn Tag und Nacht umkreisten, wie Planeten die Sonne. Eines Tages kam jedoch Hilfe in Form zwei Fernsehfregatten, die alle Fliegen wegstaubsaugten, den Müll rausbrachten, den Abwasch machten und die zerkleinerten Leichenteile des Gerichtsvollziehers und des Vermierters aus dem Wandschrank hieften. Bald schon war alles blitzeblank und statt Müllbergen gab’s jetzt Aquarien voller exotischer Zierfische, Perserteppiche, Ikearegale ausgefüllt mit Porzelansoldaten und ein Wasserbett in der Wohnung. Komplettrenovierung, Mate!
Der Schmutzfink war natürlich begeistert und ging in frisch gebügelten Gewändern und in einer Duftwolke aus Cologne mit einem Vorher-Nachher-Video in einer Plastiktüte sofort zu seiner Verflossenen und zeigte die neue schicke Wohnung in ihrem ganzen Glanz vor. Frau und Kinder waren begeistert und wollten sofort wieder zurück in Schmutzfink’s Wohnung ziehen. Plötzlich glühte die Liebe wieder auf und Herzen tanzten durch die Luft. Das war leider das Ende der Sendung. Ich wäre gerne noch Zeuge der anschließenden Feierlichkeiten geworden, wenn die ersten Teller unabgewaschen auf dem Wohnzimmertisch stehen gelassen werden. Am nächsten Tag sind dann die Fliegen wieder da und die Frau packt ihre Koffer erneut.  Wirklich gerne hätte ich das noch gesehen.
Stattdessen kam aber das nächste Programm-Highlight: Eine Altpunkfamilie (Er: Misfits-Shirt, Sie: grüner Iro) hatte Probleme mit ihrem sexbesessenen Bullterrier, der das reudige Beine-Bumsen einfach nicht lassen konnte. Wieder wurde um Hilfe gerufen und eine Tiertrainerin kam um dem Köter zur Besinnung zu bringen. Die Punks mussten dann Tridem fahren und der Terrier (übrigens einer der beliebtesten Hunde in England) nebenherhecheln um sich abzureagieren. Am Ende schnurrte er wie eine Katze. Als danach auch noch eine alte Schrulle mit Dutt und Morgenmantel und Boxhandschuen!!! durchs englische Big Broter Haus sumpfte, war es an der Zeit schreiend in die Nacht zu rennen. Dort war man zwar vor solchen Obskuritäten auch nicht sicher, wie eine Gruppe Rumbarasselmönche bewieß, aber es gab was zu trinken. Und das verleiht allem einen ganz anderen Charme, wie wir ja alle aus vernebelter Erfahrung wissen.
Ich landete in Soho, wo sich Kneipe an Kneipe reihte in den verwinkelten Gassen, durch die sich die Partykarawane in bekanntem Tross bewegte, ziellos und verschenk. Niemand wollte sie haben, nur die Grrrrls konnten sich mit Glück nen bekifften Freier angeln… Nein, eigentlich sind die da alle super und gar nicht trostlos und ich würde sie alle auf mein frisch geföhntes Zimmer lassen. Anyhow, ich landete in Shakespeare’s Head und während ich da also saß und Guiness kippte, trank Shakespeare in meinem Kopf genau das Selbe und durch ein geöffnetes Fenster sah ich wie der Tross seine Bahnen um den Stadtkurs zog und in mir zog sich alles zusammen und ich zog die reißleine und ließ nachfüllen.
Natürlich wurde ich gefragt, ob ich schwul sei, verneine das entschieden fast empört, bin kaum in der Stimmung “mal was Neues auszuprobieren”. Dann kam ein seltsamer Schwarzer, trank mein Bier und wollte geknuddelt werden. Ich hatte ihn schon wenige Stunden zuvor in einem anderen Stadtgebiet getroffen und er schien sich nicht mehr daran zu erinnern, meint jedoch, er wolle mich später nochmal auschecken. Ich biß mir amüsiert auf die Lippen und machte mich aus dem Staub. Draußen saugte mich die anonyme Masse auf und trieb mich in die nächste Gasse und die nächste Kneipe.