Klar ist der Blog tot und natürlich ist das ein Zombiebeitrag… Ich hab mich extra nochmal aus meinem virtuellen Grab gehieft und mir neues Passwort zusenden lassen, weil ich das Alte natürlich nach all den Monaten vergessen hatte, nur um mich über Mando Diao auszulassen. Einstmals geliebt, jetzt eher kritisch gesehen… Genau deshalb:
Mando Diao bei GZSZ. Das muss in etwa so sein, als ob es dein Mädchen mit deinem schlimmsten Erzfeind treibt. Vor deinen Augen und vor den Augen der ganzen Welt. Nicht, um dich explizit zu demütigen, sondern weil der Kerl Geld hat oder, und das wäre noch schlimmer, Sicherheit bietet. Und eigentlich müsste es dir egal sein, weil ihr euch ja eh schon auseinandergelebt habt und sie dir auch nicht mehr viel bedeutet, aber das trifft dich trotzdem nochmal, weil es nicht nur das Ende bedeutet, sondern dich sogar an der Vergangenheit zweifeln lässt. War das jemals echt zwischen euch? Habt ihr euch jemals verstanden? Hatte es jemals eine Grundlage?
Aber genug der Metaphernscheiße. Bringen wirs auf den Punkt…
Das ist definitiv nicht mehr die Band, die mich mit ihrem Debütalbum noch geradezu weggefegt hat. Sicher, es ist wirklich nicht leicht, immer jung, cool, aufregend und großkotzig zu bleiben, aber man könnte sich schon einige der Werte bewahren, die man mal verkörpert hat. Werte, die mit einem Auftritt in einer RTL-Soap, von kreischenden, die Bravo als Leitlektüre heranziehenden Mädchen angehimmelt, die sich die Zahnstangen aus den pickeligen Gesichtern schlagen, um einen Blick auf die süßen Boys zu erhaschen, nichts zu tun haben. Dass ist kein Ideal der alten Zeiten, als sich noch in finsteren Gassen ausgetobt wurde.
Nun, generell muss man sagen, dass Mando Diao sich eigentlich in all den Jahren kein bisschen verändert haben und sie lediglich auf veränderte Anforderungen reagieren, das allerdings ohne jede Skrupel und jede Integrität. Wenn die Band jetzt in einem dieser Interviews (GZSZ, Dome, Wetten Dass?) behaupten, sie wären schlechte Schauspieler, dann ist diese Aussage an Dreistigkeit kaum zu überbieten. In Wahrheit sind sie grandiose Blender, haben immer ganz vorzüglich eine Rolle gespielt. Erst die Rolle der Rebellen, die mit unwiderstehlicher Musik in den Meanstream eindringen wollen, sich selbst schon mit der ersten Veröffentlichung auf eine Stufe mit den Stones stellend und nach dem geglückten Vorstoß in höchste Chartgefilde die Rolle der „rockigen“ Schönlinge, einer auf Posteraltaren angebeteten Boyband im Grunde, denen nun nicht mehr der Rotz aus den Nasen läuft, sondern das Gel aus den Haaren trieft, ganz zu Schweigen vom Schleim der Anbiederung, der ihnen aus jeder Pore rinnt. Nie hat sich eine Band so gut und so teuer verkauft und dabei so fulminant an Qualität eingebüßt. Vielleicht geht man nicht mal zu weit, wenn man behauptet, dass sie auf gute Songs verzichtet haben, weil sie sich völlig darüber im Klaren sind, dass sich in Kombination mit ihrem guten Aussehen Allerweltslieder wie „Dance with Somebody“ weitaus besser verkaufen als Knaller wie „Sheapdog“ oder große Melodien, wie wir sie auf „Mr Moon“ gehört haben. Ich traue Mando Diao einiges zu und damit auch die verachtungswürdige Umsicht, ganz genau zu wissen, was sie da tun. Selbst die Perspektive, dass sie einfach nur verdammt naiv sind und zudem auch noch nach derart vielen Veröffentlichungen künstlerisch ausgebrannt sind, wäre tröstlicher als die Gewissheit, all die Jahre von einer Band geschwärmt zu haben, die offenbar keinerlei eigenständige künstlerische Vision hat, sich viel mehr völlig an maximalem wirtschaftlichen Ertrag orientiert, wirklich alles diesem Gewinnstreben unterordnet. Es war noch halbwegs amüsant, die Band als Gegenstand einer Wer-Wird-Millionär-Frage zu sehen (Übrigens hielt die Mehrheit der Zuschauer Mando Diao in der Sendung für den Präsidenten Perus), aber nun hört der Spaß endgültig auf. Der Auftritt bei GZSZ ist nicht zu entschuldigen, er tut mir in der Seele weh, er schmälert selbst die tollen Frühwerke, die mich damals so begeisterten. Als ich vor sechs Jahren ankündigte, dass diese Band himmelstürmende Erfolge erlangen würde, habe ich mir das dann doch alles etwas anders vorgestellt. Ich hab Ihnen geglaubt, dass sie (zumindest hierzulande) eine der größten Bands der Gegenwart werden würden. Leider ist das nicht durch fantastische Musik gelungen, so wie ich es erwartet und gewohnt gutgläubig für möglich gehalten habe, sondern durch clevere Vermarktung bestenfalls durchschnittlicher Musik und durch die rigorose Positionierung in sämtlichen aufmerksamkeitswirksamen Marktsegmenten oder anders gesagt: Durch Medienhurerei. Mitreißend ist das alles jedenfalls nicht mehr. Eigentlich ist es sogar nur noch traurig.