Fugitive Motel
Live aus den Pandemonium Söhlde

Regina Spektor – Soviet Kitsch

Russisch-Amerikanische Freundschaft

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Bisher haben mich zwei Künstler dieses Jahr wirklich bewegen können. Die einen kommen selbstverständlich aus Schweden, heißen Hello Saferide und werden an einem anderen Schneesturmtag mit Sonnenschein hier vorgestellt.

In diesem Text geht es um die zweite und eigentlich sogar noch großartigere Entdeckung, die einmal mehr zeigt, dass ich grade einen ganz großen Frauenstimmenfetish hab. Alles die Hormone, glaub die lass ich mir mal rausnehmen demnächst… Alle…

 

Regina Spektor ist gebürtig aus Russland, lebt aber schon seit ihrer Kindheit in new York, wo sie sich mit ihrem Piano in der Antifolk-Szene austobte und den Strokes gewaltig den Kopf verdrehte. Soviet Kitsch ist schon 2004 erschienen, aber da ich ja nun mal unkompetent und verräuchert erst jetzt auf dieses Meisterwerk aufmerksam geworden bin, gibt’s jetzt ne verspätete aber nachhaltig wirksame Kritik.

 

Eine rundum runde Sache beiginnt mit der “Ode to Divorce”. da haben wir schon mal die etwas verdrehte Stimmung des Albums auf dem Punkt. Euphorie in einem eher tragischen Umhang. Alles möglich nur mit Stimme und Klavier + Melancholie, Baby…

Minimalistischer Jazz auch beim zweiten Titel “Poor Rich Boy” und ein kleverer, bissiger Text, aber recht reduziert.

“Carbon Monoxide” will auch noch nicht so recht zünden. Die Stimme schlägt hier auch gar keine niedlichen Purzerlbäume mehr. Moskau 1980. Man denkt leise ans überspringen. Dabei wird die Latte erst gleich richtig hoch gelegt. Come On, Daddy.

” Flowers” ist ne versteckte Schönheit. Das Pianospiel ist hier am schönsten, ansonsten fällt der Song wenig auf. Er läuft vorbei. Man möchte sich ne Tasse Tee zu diesem Song aufsetzen, an dessen Ende Regina dann noch mit einer jüdischen Melodie ihren Wurzeln Tribut zollt.

“Us” ist dann nur noch unglaublich gut. Drohende Instrumentalisierung und ein ausgesprochen zitattauglicher Text:

They made a statue of us
Then put it on a mountain top
The tourists come and stare at us
Blow bubbles with their gum
Take photographs of fun, have fun

Lauschangriff auf Zwergfell 4. Großartig, ansteckend. Kopfparasit.

“Sailor Song” ist auch toll. Ich mag’s wenn’s aus ihr ausbricht. Ansonsten eher klassisches Singer-Songwriter-Ding… Aber natürlich adorable as Fuck…

Dann 45 Sekunden Kindergartengeflüster. Die Spannung steigt, denn was jetzt kommt ist eine der besten viertel Stunden, die Musik einem bescheren kann…

“Your Honor” ist Schrammelpunk. Das kann die Dame also auch ganz verzüglich. Wenn man eh schon tief bewegt ist, kann man auch gliehc etwas rumspringen…

“Ghost of corperate Future” wieder stiller, aber textlich das Größte, seit Wilco… Fiktives Messi-Philo-Szenario. Bester Song des Albums, ein Überding… Sowas hat nicht mal Feist fertig gebracht, bisher Lieblingspopmädchen… bisher…

And people make you nervous
You’d think the world was ending
And everybody’s features have somehow started blending
And everything is plastic
And everyone’s sarcastic
And all your food is frozen
It needs to be defrosted
You’d think the world was ending

You’d think the world was ending
You’d think the world was ending right now

Aber das war’s ja noch nicht: Chemo Limo…

Wieder diese Lyrik, zwischen Fiktion und Erinnerung, zwischen Trauer und Spinnerei.

Es nimmt einem mit auf ne 6-Minuten-Reise in die myteriöse Ritze in der Bettmitte und drüber hinaus. Go out in Style

Gutes Stichwort auch für den letzten Song. “Somedays” Manche Tage sind nicht deine. Naja mit diesem Album an deiner Seite wirst du auch in dem letzten Drecktstag 40 Minuten Grandiosität finden… oder 80 oder 120, denn der Hormonregen ist nach einem Hördruchgang noch lange nicht vorbei. Socken ausgezogen und wieder von vorne…

 

 

9 von 10 Atom-Ubooten

Tracklist:

 

  1. Ode To Divorce
  2. Poor Little Rich Boy
  3. Carbon Monoxide
  4. Flowers
  5. Us
  6. Sailor Song
  7. ***
  8. Your Honor
  9. Ghost Of Corporate Future
  10. Chemo Limo
  11. Somedays

Mal einfach ganz unverschämt überall mal reinhören

 

 

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