Cake – Love you madly
Hildesheims zugeflasterten Lärmschutzbunker und Eckfeiler haben mir kürzlich den Tag und vielleicht auch das Leben gerettet, als ich zu viel zu früher Stunde mit einem Bus voller Narren (da schließe ich mich auch gerne mit ein) durch einen sich reckenden und streckenden Morgen wackelte und eines der Plakate sah, auf dem für das Wisentgehege Springe geworben wurde. Hierzu wurden Filmtitel herausgepickt und zu absurden Werbesprüchen für den Tierpark umgemöbelt. So entstand neben eher unspektakulären Humorfetzen wie „Spiel mir das Lied vom Elch“ oder „Eine Wildsau namens Babe“, denen man mit Stirnzunzeln oder verwundertem Augenreiben, auf jeden Fall aber mit gesunder Distanz begegnen sollte, auch das an sprachlicher Eleganz kaum jemals, auch nicht ganz kurz vor Auktiosende überbietbare Plakat mit der Aufschrift „Odyssee im Waldraum“. Selbstverständlich eine Hommage an den schon oft mit Tibuten und Olivenkränzen beschenkten Sci-Fi-Klassiker Odysse im Weltraum. Ich hab für Stunden gegrinnt und halte diesen Spruch ohne jeden Zweifel für eine der besten PR-Akationen aller Zeiten (also auch der nahen und etwas ferneren Zukunft). Längst plane ich nur diesem fantastischen Sprüchlein wegen einen eigenen Besuch im Wiesentgehege, den ich mit Picknickkorb und Friesennerz wohl an dem verführerisch vor mir ausgesteckten Himmelfahrtskommandowochenende antreten werde, dessen lange Schenkel mir vor den Augen herumbommeln wie überreife Maracujas.
Vorher werde ich aber noch für das Tier des Monats abstimmen. Meine Stimme geht in diesem blühenden Mai an den Otter, weil der Muscheln knackt, während er auf dem Rücken durchs Waßer treibt. Sowas ist mir sehr sympathisch und eine Inspiration für die Menschheit, die man bei dieser Tätigkeit nur sehr selten antrifft. Das liegt nicht etwa daran, dass Menschen sehr scheu sind – das stimmt nämlich nicht, viele sind recht zutraulich und wagen sich sogar bis in die Städte vor- sondern daran, dass ein solches Ritual viel zu selten praktizierd wird, obwohl es anatomisch sehr gut möglich wäre und man sich mit etwas Übung und Spucke in den Händen, sowie einem anständigen Nachwuchsförderungsprogramm längst nicht mehr hinter einem halbstarken Seeotterpunk verstecken müsste. Immerhin sind wir technisch einem Otter deutlich überlegen, der mit Steinen auf der Muscheln auf seinem Bauch herumhämmern muss. Wir könnten uns die Arbeit deutlich erleichtern und mit Schraubenschlüsslen oder Luftpumpen die harte Schale bearbeiten und den weichen Kern in Rekordzeit ausgeschlüft haben. Diese merkwürdigen Frauen aus dem Zirkus oder amerikananischen Talkshows und oder dem All, die Bierdosen mit ihren riesigen Brüsten zerschmettern können, dürfen natürlich auch ihre naturgegebenen Biowaffen zum Muschelzermalmen benutzen. Die neidischen Blicke der Otter versüßen den Geschmack der Muscheln im Übrigen wohl noch um einiges. Dafür die Höchstpunkzahl auch von den Herren und der Dame in der Kuchenjury…
Und jetzt auf zu einem zweistündigen Lallmonolog… See ya
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