The Clash – London Calling
Und ich bin diesem Ruf anlässlich eines grundlosen Anlasses gefolgt… Ein paar Impressionen von ganz vielen mehr… aber das pack ich lieber nicht alles in einen Text… Weiß ja was für’n lesefaules Pack ihr seit (no offense)
Es sind immer die wirklich großen Momente eines Trips, wenn man abgekämpft und druchgescheuert mit letzter Kraft den Schlüssel im Schloß der Hotelzimmertür herumdreht, die Tür aufruckelt und einen vollbärtigen Mann auf dem Boden zwischen Discoschick und Comictick hocken sieht, der mit einem Fön das versüffte Schlafgemach trockenblässt. Da weiß man dann, dass auch die größte Metropole nur ein Dorf ist und der Wahnsinn über einen Universalschlüssel verfügt und gar nicht daran denkt an die Türe zu klopfen. Er platzt herein, setzt sich einem auf den Schuß, durschwuschelt einem die nassen Haare und steht erst nach Strunden wieder von wundgesessenen Oberschenkeln auf.
Das ist also London. Der Blues der Metropole, Hauptstadt des UK, Brutstätte der Inselaffen und von großen Trends, Tradition und Kalkulation. All das und der Mief mickriger Hotels, in denen schauriges Marmeladentoast zum Frühstück aufgetischt wird. Es hatte mich wieder, Baby – ich war wieder da, mitten drin in der Suppe, das Wasser bis zum Hals und grade mal wieder flüssig. Die Suppe, sie kam vom Himmel und stürzte alles in ein blubberndes Chaos. Überschwemmte U-Bahnstationen und davonschwimmende Stadtpläne. Die Frisur sitzt schon längst nicht mehr und die nächste Müllbotregate im ehrwürdeigen Hyde Park muss abgesagt wegen. Mehr Regen in ein paar Stunden als sonst in zwei Monaten. Mehr Leben in mir als in den letzten zwei Jahren.
London steht da allerdings altehrwürdig und ein bisschen arrogant drüber. Einer Weltstadt kann kein Terrorist und kein erzürnter Gott was. Da kann ein wirklich, wirklich angepisster Zeus noch so viele Blitze schmeißen. London trägt die schnoddernde Nase weit über den Pfützen, zeigt ihnen die kalte Schulter und steigt auf die Central Line um. Der einzige Gott, an den es dieser Tage glaubt kommt sowieso aus Hogwarts. Harry Potter Nummer Sieben erscheint dieser Tage und verkleidete Fans säumten die Gassen in schwarzer Zauberkluft und schon einen Tag später hatten ihn alle in der Hand in den Bussen und Bahnen, alle Altersklassen und Geschlechter unisono an den selben Fetzen Literatur geklammert. „Macht doch.“, möchte man ihnen zurufen, lässt das unwirsche Gepöbel aber, denn ein schlechter Gast mit dreckigen Schuhen und rüden Worten möchte man ja nicht sein, wo alle hier so nette Gastgeber sind. Da heißt es mit dem Strom schiwmmen und gute Miene machen zu diesem Spiel, was man eigentlich so gar nicht beherrscht . Bitte, Danke, Tschuldigung, Gern Geschehen, Schönen Tag noch, Kumpel und Lächeln, Lächeln, Lächeln, denn du bist im Fernsehen.
Ja, Fernsehen in England, da haben wir das nächste Thema durch das wir im Schweinsgalopp hoppeln auf diesem Kulturendurchmarsch in Druckbuchstaben durch die einzig wahre Monarchie.
Als kritischer Kulturbeschauer und Kenner der heimischen Stußkanäle könnte man ja leicht zu der Erkenntniss gelangen, dass das Niveau, was einen dank Dolby Sorround Sound von allen Seiten beschallt nicht gerade das Höchste sein kann und man könnte sogar zu dem Entschluss kommen verärgert die Dönerchipstüte zur Seite zu stellen, den Fernseher auszuschalten (und zwar nicht nur auf Stand-By) und mit grimmiger Miene einen langen Waldspaziergang zu machen. Daran ist nichts auszusetzen, aber sollte ich in meiner Funktion als General Großkotz doch so frei sein anzumerken, dass es anderswo gar noch absurder zur Sache geht. Im britischen Fernsehen ging es neulich beispielsweise um einen ganz furchtbaren Kerl, der sein Haus in mühsamer Unachtsamkeit in eine Müllhalde von beachtlichter Größe transformiert hatte, die nun von Fliegen und sonstigem Ungeziefer als Terroristenausbildungscamp und Besamungsstation benutz wurde. Aus nachvollziehbarem Grund wurde der gute Mann daher von Frau und Kindern verlassen. Zurück blieben nur die Fliegen, die ihn Tag und Nacht umkreisten, wie Planeten die Sonne. Eines Tages kam jedoch Hilfe in Form zwei Fernsehfregatten, die alle Fliegen wegstaubsaugten, den Müll rausbrachten, den Abwasch machten und die zerkleinerten Leichenteile des Gerichtsvollziehers und des Vermierters aus dem Wandschrank hieften. Bald schon war alles blitzeblank und statt Müllbergen gab’s jetzt Aquarien voller exotischer Zierfische, Perserteppiche, Ikearegale ausgefüllt mit Porzelansoldaten und ein Wasserbett in der Wohnung. Komplettrenovierung, Mate!
Der Schmutzfink war natürlich begeistert und ging in frisch gebügelten Gewändern und in einer Duftwolke aus Cologne mit einem Vorher-Nachher-Video in einer Plastiktüte sofort zu seiner Verflossenen und zeigte die neue schicke Wohnung in ihrem ganzen Glanz vor. Frau und Kinder waren begeistert und wollten sofort wieder zurück in Schmutzfink’s Wohnung ziehen. Plötzlich glühte die Liebe wieder auf und Herzen tanzten durch die Luft. Das war leider das Ende der Sendung. Ich wäre gerne noch Zeuge der anschließenden Feierlichkeiten geworden, wenn die ersten Teller unabgewaschen auf dem Wohnzimmertisch stehen gelassen werden. Am nächsten Tag sind dann die Fliegen wieder da und die Frau packt ihre Koffer erneut. Wirklich gerne hätte ich das noch gesehen.
Stattdessen kam aber das nächste Programm-Highlight: Eine Altpunkfamilie (Er: Misfits-Shirt, Sie: grüner Iro) hatte Probleme mit ihrem sexbesessenen Bullterrier, der das reudige Beine-Bumsen einfach nicht lassen konnte. Wieder wurde um Hilfe gerufen und eine Tiertrainerin kam um dem Köter zur Besinnung zu bringen. Die Punks mussten dann Tridem fahren und der Terrier (übrigens einer der beliebtesten Hunde in England) nebenherhecheln um sich abzureagieren. Am Ende schnurrte er wie eine Katze. Als danach auch noch eine alte Schrulle mit Dutt und Morgenmantel und Boxhandschuen!!! durchs englische Big Broter Haus sumpfte, war es an der Zeit schreiend in die Nacht zu rennen. Dort war man zwar vor solchen Obskuritäten auch nicht sicher, wie eine Gruppe Rumbarasselmönche bewieß, aber es gab was zu trinken. Und das verleiht allem einen ganz anderen Charme, wie wir ja alle aus vernebelter Erfahrung wissen.
Ich landete in Soho, wo sich Kneipe an Kneipe reihte in den verwinkelten Gassen, durch die sich die Partykarawane in bekanntem Tross bewegte, ziellos und verschenk. Niemand wollte sie haben, nur die Grrrrls konnten sich mit Glück nen bekifften Freier angeln… Nein, eigentlich sind die da alle super und gar nicht trostlos und ich würde sie alle auf mein frisch geföhntes Zimmer lassen. Anyhow, ich landete in Shakespeare’s Head und während ich da also saß und Guiness kippte, trank Shakespeare in meinem Kopf genau das Selbe und durch ein geöffnetes Fenster sah ich wie der Tross seine Bahnen um den Stadtkurs zog und in mir zog sich alles zusammen und ich zog die reißleine und ließ nachfüllen.
Natürlich wurde ich gefragt, ob ich schwul sei, verneine das entschieden fast empört, bin kaum in der Stimmung „mal was Neues auszuprobieren“. Dann kam ein seltsamer Schwarzer, trank mein Bier und wollte geknuddelt werden. Ich hatte ihn schon wenige Stunden zuvor in einem anderen Stadtgebiet getroffen und er schien sich nicht mehr daran zu erinnern, meint jedoch, er wolle mich später nochmal auschecken. Ich biß mir amüsiert auf die Lippen und machte mich aus dem Staub. Draußen saugte mich die anonyme Masse auf und trieb mich in die nächste Gasse und die nächste Kneipe.
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